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OpenSSH 10.6 schließt zehn Lücken: Was Rootserver-Betreiber bis zum Debian-Update tun

Updates & News  ·   ·   ·  5 Min. Lesezeit

Kurz gefasst
  • OpenSSH 10.6 ist am 6. Oktober 2026 erschienen und behebt elf sicherheitsrelevante Fehler. Der Debian Security Tracker führt dazu zehn CVE-Nummern, von CVE-2026-106552 bis CVE-2026-106589.
  • Für Debian 12 und Debian 13 stehen alle zehn derzeit auf „vulnerable“, ein korrigiertes Paket gibt es dort noch nicht. Behoben ist bisher nur Debian unstable.
  • Keine der zehn Beschreibungen nennt eine Codeausführung aus der Ferne vor der Anmeldung. Drei Einstellungen in der sshd_config nehmen den serverseitigen Lücken bis zum Update die Grundlage.

SSH ist auf fast jedem Linux-Server der einzige Weg hinein. Wenn das OpenSSH-Projekt eine Version mit einem ganzen Block an Sicherheitskorrekturen veröffentlicht und die eigene Distribution noch kein Paket hat, stellt sich eine praktische Frage: Was kannst du heute schon tun, und was musst du abwarten?

Worum es geht

Die Release Notes zu OpenSSH 10.6 listen elf Punkte unter „Security“. Das Projekt schreibt dazu, es habe zuletzt sehr viele Fehlermeldungen erhalten, viele davon mit Hilfe von KI-Werkzeugen gefunden. Weil dieselben Fehler oft kurz darauf unabhängig ein zweites Mal entdeckt würden, will das Team vorerst häufiger kleinere Versionen veröffentlichen, statt Korrekturen bis zum nächsten großen Release zu sammeln. Für Betreiber heißt das: Mit weiteren Sicherheitsversionen in kurzen Abständen ist zu rechnen.

Den Stand der Pakete haben wir am 7. Oktober 2026 im Debian Security Tracker nachgesehen. Dort sind zehn CVEs eingetragen, für bookworm (Debian 12) und trixie (Debian 13) alle als „vulnerable“.

TeilFehlerWen es trifft
sshdAnmeldedaten aus einem fehlgeschlagenen GSSAPI-Versuch bleiben erhalten und stehen nach einer anderen, erfolgreichen Anmeldung zur Verfügung (CVE-2026-106553, CVE-2026-106555)Server mit GSSAPIAuthentication yes, also meist mit Kerberos
sshd und sshSeitenkanal über die gemeinsame Kompression: Wer in einer Sitzung eigene Daten einschleusen kann, kann über die Länge der verschlüsselten Pakete Geheimnisse aus einem anderen Kanal derselben Sitzung erraten (CVE-2026-106582)Verbindungen mit aktivierter Kompression, die vertrauenswürdige und fremde Daten mischen
sshdDas Schlüsselwort restrict in authorized_keys galt nicht für Tunnel-Weiterleitung (CVE-2026-106586)Server mit PermitTunnel ungleich no
sshdDer Wert „none“ wurde in Match-Blöcken bei einigen Optionen wie AuthorizedPrincipalsFile als Dateiname gelesen (CVE-2026-106587)Server mit solchen Match-Regeln
sshd und sshKomprimierte Pakete wurden nicht auf die maximale Paketgröße begrenzt (CVE-2026-106585)Verbindungen mit Kompression
sftpEin bösartiger Server kann beim rekursiven Kopieren Dateien außerhalb des Zielordners schreiben (CVE-2026-106552)Du als Client, wenn du von einem fremden Server holst
ssh$ und \ im Benutzernamen auf der Kommandozeile konnten über ProxyCommand oder Match exec in die Shell gelangen (CVE-2026-106583)Skripte, die Benutzernamen aus fremden Quellen an ssh übergeben
ssh-keygenSommerzeit falsch umgerechnet, Zertifikate liefen bis zu eine Stunde früher oder später ab (CVE-2026-106584)Wer SSH-Zertifikate ausstellt

Die zehnte CVE (CVE-2026-106589) betrifft Plattformen wie QNX 6, auf denen der Sitzungsprozess mit root-Rechten weiterläuft. Für Linux-Server spielt sie keine Rolle.

Was wir geprüft haben

Entscheidend ist, ob die Voraussetzungen auf einem normal eingerichteten Server überhaupt erfüllt sind. Wir haben dazu die Standardwerte in den Handbuchseiten nachgelesen und die Einstellungen auf einem unveränderten Ubuntu 24.04 mit OpenSSH 9.6 ausgelesen:

  • GSSAPIAuthentication ist im Server standardmäßig no. Wer kein Kerberos einsetzt, ist von den beiden GSSAPI-Fehlern nicht betroffen.
  • PermitTunnel ist standardmäßig no. Der restrict-Fehler greift erst, wenn du Tunnel bewusst erlaubt hast.
  • Compression ist im Server standardmäßig yes, im Client no. Komprimiert wird also nur, wenn der Client sie anfordert, etwa mit ssh -C. Dann aber greift der Seitenkanal grundsätzlich.

Das Ergebnis: Für einen Server mit Standardeinstellungen bleiben vor allem die Kompression und die Fehler auf der Client-Seite übrig. Beide lassen sich ohne neues Paket entschärfen.

Wichtig: Diese Einschätzung gilt für die Standardwerte. Wenn du deine sshd_config angepasst hast oder eine Vorlage verwendest, die das tut, zählt allein, was sshd -T auf deinem Server ausgibt.

So prüfst du deinen Server

  1. Version feststellen.
    ssh -V
    apt policy openssh-server
    Alles unter 10.6 ist betroffen, sofern deine Distribution die Korrekturen nicht zurückportiert hat. Bei Debian zeigt der Security Tracker, ab welcher Paketversion das der Fall ist.
  2. Wirksame Einstellungen auslesen.
    sudo sshd -T | grep -Ei '^(gssapiauthentication|compression|permittunnel) '
  3. Bis zum Update härten. Ergänze in /etc/ssh/sshd_config oder in einer eigenen Datei unter /etc/ssh/sshd_config.d/:
    Compression no
    GSSAPIAuthentication no
    PermitTunnel no
    GSSAPIAuthentication und PermitTunnel lässt du nur aus, wenn du Kerberos oder SSH-Tunnel tatsächlich nutzt.
  4. Konfiguration testen, dann neu laden.
    sudo sshd -t && sudo systemctl reload ssh
    Lass die aktuelle Sitzung offen und melde dich in einem zweiten Fenster neu an, bevor du die erste schließt.
  5. Update einspielen, sobald es da ist.
    sudo apt update
    sudo apt install --only-upgrade openssh-server openssh-client

So erkennst du, dass es geklappt hat

Nach dem Neuladen muss sshd -T die neuen Werte zeigen, und die Anmeldung im zweiten Fenster muss funktionieren. Nach dem Paketupdate zeigt apt policy openssh-server die installierte Version. Vergleiche sie mit der im Security Tracker als „fixed“ eingetragenen.

Praxistipp: Kompression bringt bei SSH heute fast nur noch auf sehr langsamen Leitungen etwas. Wenn du große Datenmengen überträgst, komprimiere vorher, zum Beispiel mit tar czf oder zstd. Das empfiehlt auch das OpenSSH-Projekt, und es ist gegen diesen Seitenkanal immun.

Und auf deinem eigenen Rechner?

Drei der Fehler betreffen den Client. Bis dein Betriebssystem ein Update liefert, hilft es, sftp -r und scp -r nur gegen Server einzusetzen, denen du vertraust, und in Skripten keine Benutzernamen aus fremden Eingaben an ssh zu übergeben. scp -R gibt ab 10.6 übrigens eine Warnung aus: Das Projekt will die Option abschaffen.

Wie du den SSH-Zugang darüber hinaus absicherst, mit Schlüsseln statt Passwörtern und mit fail2ban, steht in unserem Beitrag SSH-Zugang richtig absichern. Wenn die Aktualisierung bei dir an einem alten System scheitert, hilft der Beitrag zum Upgrade von Debian 12 auf Debian 13.

Häufige Fragen

Muss ich sofort handeln, obwohl es noch kein Debian-Paket gibt?
Ja, aber nur mit Konfiguration: Kompression abschalten und GSSAPI sowie Tunnel deaktivieren, wenn du sie nicht nutzt. Das Paket spielst du ein, sobald Debian es ausliefert.
Kann ein Angreifer über diese Lücken ohne Anmeldung Code auf meinem Server ausführen?
Keine der zehn CVE-Beschreibungen im Debian Security Tracker nennt das. Die serverseitigen Fehler setzen Kerberos, erlaubte Tunnel oder aktivierte Kompression voraus.
Verliere ich etwas, wenn ich Compression no setze?
Auf schnellen Leitungen praktisch nichts. Große Übertragungen komprimierst du besser vorher, etwa mit tar oder zstd.
Wird meine laufende SSH-Sitzung beim Neuladen getrennt?
Nein. systemctl reload ssh betrifft nur neue Verbindungen. Teste die Anmeldung trotzdem in einem zweiten Fenster, bevor du die erste Sitzung schließt.
Prepaid-Host.com ist selbst Anbieter von Servern, Webhosting und Domains und berichtet hier über den eigenen Markt. Wie wir damit umgehen, steht in der Offenlegung.