- Let's-Encrypt-Zertifikate sind kostenlos, gelten 90 Tage und erneuern sich im Webhosting bei uns automatisch im Hintergrund
- Scheitert die Erneuerung, liegt es fast immer an Port 80, einem falschen DNS-Eintrag oder einem Reverse Proxy, der die Anfrage abfängt
- Für Wildcard-Zertifikate (*.deine-domain.de) brauchst du die DNS-01-Challenge statt HTTP-01
Ein rotes Schloss-Symbol im Browser hat schon mehr Besucher verscheucht als jede lahme Ladezeit. "Nicht sicher" steht da, und wer auf einer Bestellseite landet, klickt weg, bevor er die Kreditkartennummer eintippt. Let's Encrypt hat dieses Problem für den Großteil des Webs gelöst, weil es das Zertifikat kostenlos macht – aber "kostenlos" heißt nicht "kümmert sich von allein um alles", und genau da entstehen die Supportanfragen, die wir regelmäßig bekommen.
Wie Let's Encrypt überhaupt funktioniert
Let's Encrypt ist eine Zertifizierungsstelle, die über das ACME-Protokoll automatisiert prüft, ob du wirklich die Kontrolle über eine Domain hast, und dir dafür ein Domain-Validated-Zertifikat (DV) ausstellt. Kein Handelsregisterauszug, kein Telefonat, keine Wartezeit von mehreren Tagen wie bei klassischen kostenpflichtigen Zertifikaten. Die Prüfung läuft über eine sogenannte Challenge, und genau die Wahl der Challenge entscheidet später darüber, ob eine Erneuerung klappt oder mit einer kryptischen Fehlermeldung abbricht.
| Challenge | Wie sie prüft | Wann sinnvoll |
|---|---|---|
| HTTP-01 | Legt eine Datei unter deiner Domain ab, Let's Encrypt ruft sie über Port 80 ab | Standard-Webhosting mit erreichbarem Port 80, ein Zertifikat pro Domain/Subdomain |
| DNS-01 | Du legst einen TXT-Eintrag im DNS deiner Domain an, den Let's Encrypt abfragt | Wildcard-Zertifikate, Server ohne offenen Port 80, interne Systeme |
| TLS-ALPN-01 | Prüfung direkt über Port 443 per TLS-Erweiterung | Selten, meist wenn Port 80 dauerhaft blockiert bleiben muss |
So läuft das Zertifikat im Webhosting bei uns
Wenn deine Domain über den Kundenbereich mit deinem Webhosting verbunden ist, übernimmt Plesk die Ausstellung und Erneuerung selbst – du musst kein Zertifikat manuell bestellen. Voraussetzung ist, dass die Domain tatsächlich auf unsere Server zeigt, sonst schlägt die HTTP-01-Prüfung fehl, weil Let's Encrypt die Antwort nicht bei uns, sondern bei deinem alten Provider abholt. Wie du die DNS-Einträge dafür richtig setzt, steht im Beitrag Domain mit Webhosting verbinden.
- Domain im Kundenbereich mit dem Webhosting-Vertrag verknüpfen und den DNS-Eintrag (A-Record bzw. Nameserver) setzen
- Im Plesk-Panel unter "Websites & Domains" → "SSL/TLS-Zertifikate" den Punkt "Let's Encrypt" öffnen
- Domain-Varianten auswählen (mit und ohne www) und Zertifikat ausstellen lassen
- Unter "Hosting-Einstellungen" die Weiterleitung von HTTP auf HTTPS aktivieren, damit alter Traffic nicht auf der unverschlüsselten Seite landet
Auf einem eigenen Rootserver mit Webhosting läuft das gleiche Prinzip, nur dass du selbst für den ACME-Client verantwortlich bist. Der gängigste Client heißt Certbot:
apt install certbot python3-certbot-nginx
certbot --nginx -d deine-domain.de -d www.deine-domain.deCertbot legt dabei automatisch einen Cronjob bzw. systemd-Timer an, der zweimal täglich prüft, ob eine Erneuerung fällig ist. Erneuert wird nicht erst kurz vor Ablauf, sondern schon deutlich früher – so bleibt Zeit, ein Problem zu bemerken, bevor die Seite tatsächlich mit einem abgelaufenen Zertifikat dasteht.
certbot renew --dry-run Läuft der Trockentest durch, läuft auch die echte Erneuerung.Wenn die Erneuerung scheitert
Fast jede fehlgeschlagene Erneuerung lässt sich auf eine von wenigen Ursachen zurückführen:
- Port 80 blockiert – eine Firewall-Regel oder ein restriktives Sicherheitsplugin lässt die Validierungsanfrage von Let's Encrypt gar nicht erst durch
- DNS zeigt nicht mehr auf den richtigen Server – etwa nach einem Providerwechsel, bei dem der alte A-Record vergessen wurde
- Reverse Proxy oder CDN fängt die Anfrage ab – die Datei unter
/.well-known/acme-challenge/wird nie beim eigentlichen Server ausgeliefert - Falsche Berechtigungen im Webroot – der ACME-Client kann die Validierungsdatei nicht schreiben oder der Webserver kann sie nicht lesen
- Zu viele Fehlversuche in kurzer Zeit – Let's Encrypt begrenzt, wie oft du für dieselbe Domain in einem Zeitraum neue Zertifikate anfordern kannst, gerade beim Testen lohnt sich deshalb erst der Staging-Modus
certbot --staging) – der zählt nicht gegen das Limit für echte Zertifikate.Eine typische Fehlermeldung ist "Invalid response from ... : 404" – das heißt fast immer, dass die Challenge-Datei nicht dort ankommt, wo Let's Encrypt sie erwartet. Prüfe zuerst, ob die Domain überhaupt bei uns liegt, dann ob ein Proxy oder eine Weiterleitungsregel im Spiel ist, die Pfade unter /.well-known/ anders behandelt als den Rest der Seite.
Wildcard-Zertifikate
Für ein Zertifikat, das gleich alle Subdomains abdeckt (*.deine-domain.de), reicht HTTP-01 nicht – Let's Encrypt verlangt hier zwingend DNS-01, weil sich ein Wildcard nicht über eine einzelne erreichbare URL validieren lässt. Du brauchst also Zugriff auf die DNS-Verwaltung deiner Domain und musst dort einen TXT-Eintrag setzen können, entweder manuell für jede Erneuerung oder automatisiert über ein DNS-Plugin deines ACME-Clients.
- Kostenlos, kein wiederkehrender Zertifikatspreis
- Vollautomatisierbar, kein manuelles Erneuern nötig
- Breite Unterstützung in Plesk, Nginx, Apache, allen gängigen Browsern
- Nur Domain-Validierung, keine Organisationsprüfung wie bei EV-Zertifikaten
- Kurze Laufzeit von 90 Tagen macht dich von einer funktionierenden Automatisierung abhängig
- Wildcard erfordert DNS-01 und damit API-Zugriff auf die DNS-Verwaltung
Ein Zertifikat, das niemand erneuert, ist nur ein Ablaufdatum mit Umweg.
Prüfen, ob es geklappt hat
Nach der Ausstellung oder Erneuerung reicht ein kurzer Check:
echo | openssl s_client -connect deine-domain.de:443 -servername deine-domain.de 2>/dev/null | openssl x509 -noout -datesDie Ausgabe zeigt notBefore und notAfter – liegt notAfter rund 90 Tage in der Zukunft, ist alles aktuell. Ergänzend lohnt ein Blick in den Browser selbst: Schloss-Symbol anklicken, Zertifikatsdetails ansehen, Aussteller sollte "Let's Encrypt" oder "R-irgendwas" (die aktuelle Zwischen-CA) sein. Für DSGVO-relevante Hintergründe rund um Webhosting in Deutschland lohnt sich außerdem ein Blick in unseren Beitrag Webhosting in Deutschland – Sicher, flexibel und DSGVO-konform, gerade wenn Verschlüsselung Teil deiner Compliance-Anforderungen ist.